Die Geschichte

„Die ältesten erwähnten Masken in Slowenien“

Wie die anderen originellen Fastnachtsnarren in der Welt, haben auch die Škoromati* aus Slowenien ihren Ursprung in den vorchristlichen heidnischen Zeiten, deshalb können wir nicht ihr genaues Alter feststellen.

Wir können nur vermuten, dass die  Škoromati – Masken, die Nachfolgerinnen der Masken sind, die unsere Vorgänger bei den verschiedenen Ritualien verwendeten, mit denen sie sich die Gunst der Natur  zu versichern versuchten um so ihren Vorgänger das Dankbarkeitsgefühl zu erweisen.

Manche Škoromati – Masken beibehielten dabei viele Merkmale der Primärgestalt, andere veränderten sich sehr durch die Geschichte. Auch heute noch haben alle eine besondere tiefere Bedeutung, die auch den Einheimischen unbekannt ist.

 

In den schriflichen Quellen, die auch heute egzistieren, erwähnte man den Namen Škoromat zum ersten Mal  in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts.

Am 12.2.1340 veröffentlichte der Magistrat der friaulischen Cividale (Cividdale del Friauli in Italien) das Verbot, dass niemand ohne Erlaubnis des Verwesers von dem Klostergut und des Stadtrates auf der Straße Kostüm von Škoromat (in habitu scaramatte) anziehen darf.

Zum 2. Mal finden wir den Namen in den Schriftquellen 82 Jahre später, im Februar 1422, genannt „scaravatte“.

 

Hinsichtlich dieser zwei Schriftquellen gelten heute die Škoromati -Masken als die ersterwähnten Masken in Slowenien.

Obwohl Brkini (gebirgige Landschaft zwischen Karst, Istrien und Kvarner), 100 km von Cividale entfernt ist, erhielten Škoromati in Brkini zumindest 700 Jahre lang diesen Namen der Masken  und auch das Ritual des Faschings (festes.)

 

Die Škoromati wurden in allen Dörfern von Brkini anwesend. In der Fachliteratur und nach der Meinung der Leute galt genau das Dorf Hrušica als inoffizielle Wiege der Škoromati – Masken.

 

Die ersten neuesten Schriften über die Škoromati Masken aus Brkini beschreiben genau die Škoromati – Masken aus Hrušica und die einzelnen Masken haben die Namen, die wir noch heute nur in Hrušica kennen. Die erste solche Schrift finden wir im Buch Od morja do Triglava (1953) (Vom Meer bis Triglav). Im Jahr 1962 beschrieb auch der Mitarbeiter des Slowenischen ethnografischen Museums die Masken.

Für die Geschichte der Škoromati aus Hrušica  sind die Schriften von Dr. Niko Kuret, dem slowenischen Ethnologen, wichtig und besonders sein Buch Maske slovenskih pokrajn (Die Masken der slowenischen Regionen) (1984). Im Buch beschreibt er genau die Škoromati aus Hrušica und für die einzelnen Masken verwendete er die Wörter aus Hrušica, die sich auch in der Fachliteratur durchsetzten.

Für diese genaue Beschreibung ist vor allem Herr Branko Mahne, der Musikprofessor

 

Škoromati* (pl.) – einheimischen traditionellen Faschingsmasken

verantwortlich, der aus Hrušica stammt. 1963 schrieb er auf Bestellung von

dr. Niko Kuret einen Bericht über die Škoromati, die er selbst vor dem Zweiten Weltkrieg erlebte.

Der Wendepunkt für die Bekanntschaft der Škoromati aus Hrušica ist das Jahr 1964, als sie zum ersten Mal am Karneval außer Brkini teilnahmen. Nach Absprache mit Herr Niko Kuret verkauften sie damals ein paar Masken und eine von denen wurde sogar im europäischen Museum der Masken in Binch in Belgien ausgestellt.

Obwohl viele Fachleute nach Hrušica kamen, um die Škoromati zu sehen, half niemand von ihnen den Einheimischen das Erbe zu bewahren und so starb der Brauch bis Ende der 90er Jahre langsam ab.

Aus eigenem Antrieb der Einheimischen organisierten sich die Škoromati 1993 in eine gegenwärtige Volksgruppe und versuchen allein nach Kräften  fachgemäß und systematisch für die Bewahrung des jahrhundertealten Brauches zu sorgen.

 

Der name und sein ursprung

„Škoromat: der altertümliche Soldat und der Nachtwächter“

Čeprav so domačini iz besede škoromat izpeljali vrsto drugih besed in jo v raznih oblikah  uporabljajo še danes, je sama beseda brez strokovne razlage popolnoma nerazumljiva. Z njenim izvorom in pomenom si je belilo glave že več strokovnjakov, vendar pa še vedno ne moremo z gotovostjo reči, katera razlaga je prava.


Prvi, ki je skušal razvozlati pomen tega imena, je bil italijanski folklorist istrskega rodu Giuseppe  Vidossi (1878-1956) . Za njegov izvor je ponudil dve možni besedi. Po prvi naj bi škoromat izviral iz besede scaraguaita, ki izhaja iz staronemškega skarwahta, kar pomeni ljudska straža. Iz staronemške besede lahko izluščimo koren scara, iz katerega naj bi izvirale italijanska beseda squadra, francoska escadre in sodobna nemška beseda Schar. Vsi ti izrazi označujejo vojaško enoto. Po drugi razlagi naj bi škoromat nastal iz besede scaramancum, ki je v zgodnjem srednjem veku pomenila širok črn vojaški plašč ali ogrinjalo. Obe razlagi dobita smiseln pomen ob dejstvu, da so bili v zgodnjem srednjem veku vojaki ljudske straže res ogrnjeni v široke črne plašče, ki so bili v pustnem času kot nalašč za preprosto zakrivanje. Ker pa so bili široki plašči izredno prikladni tudi za skrivanje orožja, so se oblasti bale hudodelcev, upornikov ali celo političnih oporečnikov, ki bi maskiranje utegnili izkoristiti za nečedna dejanja. Zato so si na vso moč trudili prepovedati oblačenje v masko scaramatta.

 

Po domnevi slovenskega etnologa dr. Nika Kureta (1906-1995) je furlanski izraz scaramatte prišel v Brkine po letu 1228, v času oglejskega gospostva, ko so bili Brkini mejno območje med oglejskimi patriarhi in Goriškimi grofi. Domačini naj bi tako spoznali lik scaramatta, od njega prevzeli najprej podobo, nato pa še ime za vse maske. Škoromat tako po Kuretovi razlagi izhaja iz nemške besede scharwachter oziroma nočni čuvaj. Po njegovi razlagi je danes edini pravi škoromat škopiti, ki je ogrnjen v širok, črn plašč, za pasom pa ima pripet zvonček in svetilko, kar naj bi pričalo o njegovem stražarskem poreklu.

 

O izvoru besede škoromat se je v zadnjem času pojavila nova, bistveno bolj preprosta razlaga. Slovenska jezikoslovka dr. Metka Furlan (1955) namreč pravi, da gre lahko pri besedi scaramatta za premestitev črk (metateza) znotraj besede mascaratta. Če namreč prvi dve črki besede mascaratta postavimo pred zadnji zlog besede, dobimo besedo scaramatta. Premestitev črk v besedi mascaratta bi se lahko zgodila spontano ali pa celo načrtno, da bi se izognili omembi besede mascaratta, ki bi bila lahko v tistih časih bogokletna, če ne celo uradno prepovedana.

 

Škoromatija das Fastnachtsfest

„Verpflichtungen der Jungen und Stolz der Einheimischen“

In dem allgemeinen Bewusstsein der Einheimischen setzte sich Škoromatija als einer der größten Feiertage im Dorf durch. Obwohl der Brauch heute wesentlich kürzer ist und die Teilnehmer viel weniger Arbeit mit den Vorbereitungen haben, bewahrte Škoromatija die Zauberhaftigkeit und das Mysterium, deshalb fassen die Teilnehmer ihre Verpflichtungen ehrenhaft und die anderen Einheimischen als den Stolz ihres Ortes auf. Wie auch in frühen Zeiten beginnt Škoromatija am 26. 12., am Feiertag des heiligen Stefan. Die Jungen und die Männer versammeln sich, vereinbaren den Verlauf von Škoromatija und teilen die Rollen zu.

Sie machen ab, wer welches Kostüm bzw. Maske macht. Die Teilnehmer sammeln sich noch einmal, bevor sie die Kostüme ankleiden, dann bestimmen sie die Ereignisse und die Tätigkeiten, an denen sie teilnehmen werden. Das wichtigste Ereignis ist Poberija  (die Einsammlung von verschiedenen Geschenken von Haus zu Haus in der Zeit des Faschings), das am Faschingssamstag verläuft. Früher sammelten sie die ganze  Faschingswoche die Geschenke in den umliegenden Dörfern ein und sie waren auch mehrere Wochen nicht zu Hause, im Heimdorf sammelten sie die Geschenke genau am Faschingsdienstag. Wegen der Verpflichtungen des gegenwärtigen Lebens ist das heute nicht mehr möglich, deshalb sind die einzelnen Geschehen auf das Wochenende beschränkt.

Škoromati aus Hrušica nehmen gewöhnlich an einem Karneval, vor der Fastnacht, dann am Karneval am Faschingssonntag teil, eine kleine Gruppe stellt sich gewöhnlich in einer slowenischen Stadt auch am Faschingsdienstag vor. Das alljährliche Hauptereignis bleibt „Poberija“, wenn die Škoromati in dem Dorf lärmen und feiern.

 

„Poberija“ findet am Faschingssamstag statt. Am Vormittag versammeln sich Škoromati inmitten des Dorfes und gehen im Festzug das Dorf um. Von der Gruppe trennen sich die „Poberini“ (Masken, die vom Haus zu Haus verschiedene Geschenke einsammeln. Früher sammelten sie vor allem die Würste, den Speck, die Eier … ein, heute schenken viele Leute Geld.

Im Unterschied zu den anderen Škoromati – Masken dürfen „Poberini“, die Einzigen, die in die Häuser eintreten, keine Maske tragen. Die Einheimischen wissen und sehen so, wen sie im Haus eintreten lassen. Die Hausfrau gibt gewöhnlich die Geschenke, die Škoromati sprechen ihren Dank aus und wünschen den Einheimischen eine gute Ernte, viel Glück und Gesundheit im kommenden Jahr, und laden die Bewohner zum gemeinsamen Abendessen ein.

Die anderen Škoromati zerstreuen sich in der Zwischenzeit durch das Dorf, machen vor den Dorfgasthäusern und vor den Häusern halt, wo die Leute das Essen und das Getränk vorbereiten, singen sie überall, machen Musik, feiern und treiben Possen.

 

In der Zeit der „Škoromatija“ bekommen die Jungen und die Männer die Gelegenheit ihre Zügel zu lockern, zu feiern und was Schönes anzurichten, was sie aber ohne Masken nie machen würden. Es ist nicht lange her, als kleine Kinder und die ledigen Mädchen Angst vor Škoromati hatten. Die Škopiti – Maske fang diese Mädchen mit der großen Zange und die Škoromati schmierten dann ihr Gesicht mit dem Ruß.

In der Zeit des Faschings sind alle Scherze, sogar Exzesse erlaubt und niemand von den Einheimischen ärgert sich darüber.

Die Gegenwart beeinflusst auch die heutigen Škoromati, aber diese aus Hrušica bemühen sich den Brauch, wie er früher war zu bewahren.

Die Touristen, die den Brauch sehen möchten und deshalb nach Hrušica kommen, zwingen die Škoromati zu einem organisierten  Festzug durch das Dorf, während noch vor 20 Jahre sich die Škoromati durch das Dorf verstreuten. Der organisierte Festzug ist schon zur Tradition geworden, an die sich auch die Einheimischen angewöhnen.

Die Einladung auf die verschiedenen Karnevale, die in den anderen Städten und sogar im Ausland stattfinden, ermöglicht den Škoromati den guten Ruf zu bewahren, bekannt zu werden und so den Brauch am Leben zu erhalten.

Der Mangel der Jugend im Dorf zwang die Škoromati aus Hrušica, dass sie auch die Verheirateten mitnehmen, was schon vor 20 Jahren fast unvorstellbar war. Die Škoromati aus Hrušica sind eine der seltenen Škoromati oder sogar die Einzigen, die keine Frauen mitnehmen. Wie bei den meisten traditionellen Masken dürften sich die Mädchen nie in die Kostüme der Škoromati anziehen, in Hrušica gilt diese Regel noch heute.

Die Antwort der Škormati aus Hrušica auf die gegenwärtigen Herausforderungen ist die Sorge um die Erhaltung des möglichst originellen Brauches und die Darstellung der Schönheit der Škoromati. Durch die Jahrhunderte wurden Škoromati weder von der Kirche, die sie verfolgt und von den verschiedenen fremden Gewalten vernichtet, die den Brauch als die Angehörigkeit zum Slowenentum sahen noch vom  Regime, der nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte und den Brauch als die Primitivität der Einheimischen sahen. Zum Glück überlebte der Brauch auch in diesem schnellen Tempo des gegenwärtigen Lebens und verband eigentlich noch mehr die Einheimischen, die schon Jahrhundertslang mit dem Brauch leben.

Beerdigung der faschingspuppe

„Die Asche kündigt die neue Geburt an“

 

Jedes Jahr endet die Škoromatija am Aschermittwoch, wenn die Jungen und die Männer symbolisch die Faschingspuppe in Brand stecken. Die strohfarbige Faschingspuppe hängt die ganze Faschingszeit in der Mitte des Dorfes auf einer Stange oder auf einem Baum. Am Aschermittwoch legen sie die Faschingspuppe auf die Tragen und tragen sie alle traurig durch das Dorf. Dabei müssen die Kinder weinen, die Erwachsenen schmunzeln und lachen den ungewöhnlichen Trauerzug aus.

Sie gehen dann mit der Faschingspuppe auf einen schon seit Jahrhundert bestimmten Platz neben dem Dorf, sie legen die Faschingspuppe auf den Boden und stellen sie unter Anklage für alle Ungeschicktheiten, die in der Faschingszeit oder früher  passierten, und verurteilen sie auf den Feuertod. Dann stecken sie die Faschingspuppe in Brand und die Leute warten, bis sie zur Asche wird.

Diese Tat hat natürlich eine größere symbolische Bedeutung, weil die Verbrennung die Lustration und der Kampf gegen das Böse in der Gemeinschaft schon seit der Urzeit ein sehr wichtiges Ritual ist. Die Faschingspuppe hatte durch die Jahrhunderte eine Rolle des Sündenbocks und ermöglichte den Leuten, dass sie mindestens einmal pro Jahr das jahrhundertalte Recht auf die Kritik der Gesellschaft und der Gewalt haben.

Die Asche der Faschingspuppe kündigt die Wiedergeburt   des Faschings und seine Rückkehr an.

Hrušiški škoromati, feb. 2020
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